Aktuelle Ausgabe: ED 4/2008
 













Moguln der Zukunft

Die Welt der Medien ändert sich täglich. Doch immer wieder erscheinen Persönlichkeiten in der Medienwelt, die diese prägen und ohne die sie nicht mehr vorstellbar wäre. ExtraDienst hat sich umgehört, wer diese Moguln von morgen sein könnten.

Lang ist es her, als die Gebrüder Fellner als quasi Garagen-Verlag den “Rennbahn Express” erfanden. Wurden die ersten Ausgaben noch mittels Matrizen handabgezogen, so ist die erste Ausgabe des “Rennbahn Express” ein Meilenstein: Niemand, der noch den Beatles-Starschnitt der ersten vier Ausgaben besitzt, würde diesen wohl je bei ebay versteigern wollen. Der nächste Genieblitz war die Schallfolie, und unter diesen war diejenige des Motörhead-Albums “Iron Fist” wohl ein Klassiker.

Ja, lang ist’s her. Es folgte das Szene-Blatt “Basta”. Und dann: News, samt Gruppe. Heute gehört den Fellners Österreich. Sie waren für den Magazinmarkt, was Falk und Dichand für die Tageszeitung waren. Aber das ist eine andere Geschichte ...

Helden von heut’
Die Medienbranche hat sich verändert. Das tut sie jeden Tag, und jedem, der darin arbeitet ist es mehr oder minder (un-)bewusst. Die Zielgruppe jedoch, zu der die Fellners damals gehörten - die 14- bis 29-Jährigen -, ist heute schwieriger zu erreichen als je. So kommt es den Marketingleitern, Medienmachern und Meinungsführern jedenfalls vor. Sie machen sich Sorgen um die “Early Adopter”. Deshalb hat ED sich umgehört, was diese Target Group denn wirklich liest, und getestet, wer die Fellners von heute sein könnten und welches Medium sie nutzen.

Die “Helden von heut’” sammeln sich alle an einem Platz: dem vor dem Bildschirm. Das gemütliche Lesen in der U-Bahn oder dem Kaffeehaus ist weitestgehend vorbei. Gäbe es die Mädels nicht, die ein starkes Bedürfnis nach gesicherter Information haben, während die Jungs lieber lässig interagieren. Und wenn gelesen wird - dies gilt für beide Geschlechter -, dann sind dies vor allem Special-interest-Themen. Selbst Tageszeitungen werden wegen einzelner Teile - vor allem dem Wirtschaftsteil - genutzt.

Unverzichtbar sind jedoch Medien wie Google und MySpace. Die Welt der Informationen und der Selbstdarstellung liegt nah beieinander. Egal, wofür sich jemand in dieser Altersgruppe interessiert: zumindest ein virtuelles Profil wird angelegt, manchmal auch mehr.

So stellte sich die Frage, ob es denn heute noch junge Medienmacher gibt, eine Generation ähnlich den Fellner-Brüdern damals, also Menschen zwischen 14 und 29 Jahren, die nicht nur über sich selbst berichten wollen, sondern versuchen, anderen ein Bild der Welt zu vermitteln.

Stars von morgen
Grundsätzlich wurden zwei essentielle Medienarten, in denen die Jungen aktiv tätig sind, festgemacht: Internet und Film. Print oder Radio wurden kaum in Betracht gezogen. Im Internet sind es vor allem Community-Portale und Special-interest-Sites.

Erstes Beispiel ist der von Roland Hablesreiter gestaltete Blog zum Film “America Inside”. Der Blog wurde eigentlich als Marketingtool für den Film entwickelt. In der Zwischenzeit hat er allerdings bereits 50.000 wöchentliche Page-Impressions und längst eine Art Kultstatus erreicht, und das lange, bevor der Film fertiggestellt ist.

Der Blog beschreibt die Dreharbeiten in Brownsville, Texas, nahe der mexikanischen Grenze. Die 27-jährige Produzentin Constanze Schumann nennt als die anvisierten Verwertungsbereiche Kino, Video-on-Demand, DVD und Downloads. Für Roland Hablesreiter seinerseits ist klar: “Internet ist Arbeitsbasis.”

Und das nicht nur für Informationsrecherche: selbst die großen Majors wie Disney oder Time Warner haben eigene MySpace-Abteilungen. Die Blog-User selbst setzen sich übrigens multinational zusammen: 58,9 Prozent stammen aus Österreich, 18,9 Prozent aus Deutschland und immerhin 17 Prozent aus den USA.

Beeindruckend war die Professionalität der Planung und der Umgang mit diversen, manchmal durchaus lästigen Anfragen. Sowohl Roland Hablesreiter als auch Constanze Schumann handhabten alles mit Bravour und größtmöglicher Geduld.

Die Welt der Pixel
Eine erheblich größere Anzahl junger Medienmacher findet sich im weltweiten Web. Dieser Umstand war weniger überraschend als die Hochburg dieser Medien-Nutzung. Hier liegt Oberösterreich ganz klar voran. Gleich drei der Top10-Portale haben ihren Sitz im Land ob der Enns.

Viele dieser neuen Medien entsprechen vergleichsweise den selbstabgezogenen ersten “Rennbahn Express”-Ausgaben. Nur eines all der Portale hat eine wirklich gute Usability, einige sind nahe dran, manchen fehlt zwar nicht das Engagement, jedoch zumindest die Erfahrung.

Filmring.at ist eine liebevoll gemachte Seite mit Fachkenntnis, die jedoch durchaus noch Potenzial hat, überarbeitet zu werden. Gemacht wird sie vom 21-jährigen Michael Föls, der 2005 das Portal samt Forum startete und am 25. September 2006 unter Filmring.at (zuvor Filmring.de) relaunchte.

Für die Usability sollte sich eventshooters.at aus Oberösterreich etwas einfallen lassen. Das Community-Portal wirkt zwar durchwegs professionell in der Verfolgung seiner Ziele, das Produkt selbst ist jedoch noch suboptimal. Gaming XP ist zwar informativ und relativ gut gemacht, Geschäftsführer Konhäuser hat jedoch den Rubicon der 30 Lenze längst überschritten.

Was jung daher kommt, muss es eben nicht immer sein. Das ebenfalls oberösterreichische woo.at hat zwar ein durchaus junges Team, hinter dem Portal steht jedoch Wolf-Dieter Holzhey, seines Zeichens Chef von WT1 und LT1. Das Portal ist sauber gemacht und entspricht ebenso dem Community-Gedanken wie die meisten Konkurrenten.

Das in Wien bekannteste Portal ist chiLLi.cc. Es bietet reichlich Information, hat auch eine angenehme, wenn auch verbesserungsfähige Usability. Lediglich im Handling mit Anfragen diverser - insbesondere unangenehmer - Art zeigt man wenig Professionalität. Hier sollte sich Geschäftsführer Janos Fehervary noch etwas einfallen lassen.

Die Nachfolger
Wenn jemand als Favorit auf die Fellner-Nachfolge genannt werden kann, dann sind das die Leute von szene1.at. Das Portal feierte am 11. April 2008 sein fünfjähriges Bestehen. Entstanden aus zwei kleineren Party-Portalen hat szene1.at mittlerweile 35 Mitarbeiter und 300 Fotografen, die ca. 1000 Events monatlich in Österreich und der Slowakei betreuen.

Szene1.at hat 320.000 registrierte User, von denen zumindest die Hälfte sich auch monatlich einloggt. Laut Auskunft von Geschäftsführer Josef Voglsam gibt es in Oberösterreich Regionen, in denen bis zu 95 Prozent der Jugendlichen als User registriert sind, darunter Linz, Wels oder Steyr.

Derzeit wird stark an einer internen Expansion gebastelt. Weitere Portale werden dazukommen. Dabei sind die Zielgruppen scharf positioniert: Partygänger, Heavy Metal-Fans, Schlager-Fans, Biker. Außerdem soll es ein Dating-Portal für die Gruppe 50+ geben. Zudem ist die Geschäftsführung als einziges Portal Österreichs von der EU in eine Task Force zum Thema “Jugendschutz im Internet” geladen - u.a. mit den Machern von MySpace.


Autor: Thomas Königshofer, Bildrechte: Archiv



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