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Moguln der Zukunft
Die
Welt der Medien ändert sich täglich. Doch immer wieder erscheinen
Persönlichkeiten in der Medienwelt, die diese prägen und ohne die sie
nicht mehr vorstellbar wäre. ExtraDienst hat sich umgehört, wer diese
Moguln von morgen sein könnten.
Lang ist es her, als die Gebrüder Fellner als quasi Garagen-Verlag
den “Rennbahn Express” erfanden. Wurden die ersten Ausgaben noch
mittels Matrizen handabgezogen, so ist die erste Ausgabe des “Rennbahn
Express” ein Meilenstein: Niemand, der noch den Beatles-Starschnitt der
ersten vier Ausgaben besitzt, würde diesen wohl je bei ebay versteigern
wollen. Der nächste Genieblitz war die Schallfolie, und unter diesen
war diejenige des Motörhead-Albums “Iron Fist” wohl ein Klassiker.
Ja,
lang ist’s her. Es folgte das Szene-Blatt “Basta”. Und dann: News, samt
Gruppe. Heute gehört den Fellners Österreich. Sie waren für den
Magazinmarkt, was Falk und Dichand für die Tageszeitung waren. Aber das
ist eine andere Geschichte ... Helden von heut’ Die
Medienbranche hat sich verändert. Das tut sie jeden Tag, und jedem, der
darin arbeitet ist es mehr oder minder (un-)bewusst. Die Zielgruppe
jedoch, zu der die Fellners damals gehörten - die 14- bis 29-Jährigen
-, ist heute schwieriger zu erreichen als je. So kommt es den
Marketingleitern, Medienmachern und Meinungsführern jedenfalls vor. Sie
machen sich Sorgen um die “Early Adopter”. Deshalb hat ED sich
umgehört, was diese Target Group denn wirklich liest, und getestet, wer
die Fellners von heute sein könnten und welches Medium sie nutzen. Die
“Helden von heut’” sammeln sich alle an einem Platz: dem vor dem
Bildschirm. Das gemütliche Lesen in der U-Bahn oder dem Kaffeehaus ist
weitestgehend vorbei. Gäbe es die Mädels nicht, die ein starkes
Bedürfnis nach gesicherter Information haben, während die Jungs lieber
lässig interagieren. Und wenn gelesen wird - dies gilt für beide
Geschlechter -, dann sind dies vor allem Special-interest-Themen.
Selbst Tageszeitungen werden wegen einzelner Teile - vor allem dem
Wirtschaftsteil - genutzt. Unverzichtbar sind jedoch Medien wie
Google und MySpace. Die Welt der Informationen und der
Selbstdarstellung liegt nah beieinander. Egal, wofür sich jemand in
dieser Altersgruppe interessiert: zumindest ein virtuelles Profil wird
angelegt, manchmal auch mehr. So stellte sich die Frage, ob es
denn heute noch junge Medienmacher gibt, eine Generation ähnlich den
Fellner-Brüdern damals, also Menschen zwischen 14 und 29 Jahren, die
nicht nur über sich selbst berichten wollen, sondern versuchen, anderen
ein Bild der Welt zu vermitteln. Stars von morgen Grundsätzlich
wurden zwei essentielle Medienarten, in denen die Jungen aktiv tätig
sind, festgemacht: Internet und Film. Print oder Radio wurden kaum in
Betracht gezogen. Im Internet sind es vor allem Community-Portale und
Special-interest-Sites.
Erstes Beispiel ist der von Roland Hablesreiter gestaltete Blog zum Film “America Inside”.
Der Blog wurde eigentlich als Marketingtool für den Film entwickelt. In
der Zwischenzeit hat er allerdings bereits 50.000 wöchentliche
Page-Impressions und längst eine Art Kultstatus erreicht, und das
lange, bevor der Film fertiggestellt ist.
Der Blog beschreibt
die Dreharbeiten in Brownsville, Texas, nahe der mexikanischen Grenze.
Die 27-jährige Produzentin Constanze Schumann nennt als die anvisierten
Verwertungsbereiche Kino, Video-on-Demand, DVD und Downloads. Für
Roland Hablesreiter seinerseits ist klar: “Internet ist Arbeitsbasis.”
Und
das nicht nur für Informationsrecherche: selbst die großen Majors wie
Disney oder Time Warner haben eigene MySpace-Abteilungen. Die Blog-User
selbst setzen sich übrigens multinational zusammen: 58,9 Prozent
stammen aus Österreich, 18,9 Prozent aus Deutschland und immerhin 17
Prozent aus den USA.
Beeindruckend war die Professionalität der
Planung und der Umgang mit diversen, manchmal durchaus lästigen
Anfragen. Sowohl Roland Hablesreiter als auch Constanze Schumann
handhabten alles mit Bravour und größtmöglicher Geduld.
Die Welt der Pixel Eine
erheblich größere Anzahl junger Medienmacher findet sich im weltweiten
Web. Dieser Umstand war weniger überraschend als die Hochburg dieser
Medien-Nutzung. Hier liegt Oberösterreich ganz klar voran. Gleich drei
der Top10-Portale haben ihren Sitz im Land ob der Enns.
Viele
dieser neuen Medien entsprechen vergleichsweise den selbstabgezogenen
ersten “Rennbahn Express”-Ausgaben. Nur eines all der Portale hat eine
wirklich gute Usability, einige sind nahe dran, manchen fehlt zwar
nicht das Engagement, jedoch zumindest die Erfahrung.
Filmring.at
ist eine liebevoll gemachte Seite mit Fachkenntnis, die jedoch durchaus
noch Potenzial hat, überarbeitet zu werden. Gemacht wird sie vom
21-jährigen Michael Föls, der 2005 das Portal samt Forum startete und
am 25. September 2006 unter Filmring.at (zuvor Filmring.de) relaunchte.
Für die Usability sollte sich eventshooters.at aus
Oberösterreich etwas einfallen lassen. Das Community-Portal wirkt zwar
durchwegs professionell in der Verfolgung seiner Ziele, das Produkt
selbst ist jedoch noch suboptimal. Gaming XP ist zwar informativ und
relativ gut gemacht, Geschäftsführer Konhäuser hat jedoch den Rubicon
der 30 Lenze längst überschritten.
Was jung daher kommt, muss es
eben nicht immer sein. Das ebenfalls oberösterreichische woo.at hat
zwar ein durchaus junges Team, hinter dem Portal steht jedoch
Wolf-Dieter Holzhey, seines Zeichens Chef von WT1 und LT1. Das Portal
ist sauber gemacht und entspricht ebenso dem Community-Gedanken wie die
meisten Konkurrenten.
Das in Wien bekannteste Portal ist
chiLLi.cc. Es bietet reichlich Information, hat auch eine angenehme,
wenn auch verbesserungsfähige Usability. Lediglich im Handling mit
Anfragen diverser - insbesondere unangenehmer - Art zeigt man wenig
Professionalität. Hier sollte sich Geschäftsführer Janos Fehervary noch
etwas einfallen lassen.
Die Nachfolger Wenn jemand als
Favorit auf die Fellner-Nachfolge genannt werden kann, dann sind das
die Leute von szene1.at. Das Portal feierte am 11. April 2008 sein
fünfjähriges Bestehen. Entstanden aus zwei kleineren Party-Portalen hat
szene1.at mittlerweile 35 Mitarbeiter und 300 Fotografen, die ca. 1000
Events monatlich in Österreich und der Slowakei betreuen.
Szene1.at
hat 320.000 registrierte User, von denen zumindest die Hälfte sich auch
monatlich einloggt. Laut Auskunft von Geschäftsführer Josef Voglsam
gibt es in Oberösterreich Regionen, in denen bis zu 95 Prozent der
Jugendlichen als User registriert sind, darunter Linz, Wels oder Steyr.
Derzeit
wird stark an einer internen Expansion gebastelt. Weitere Portale
werden dazukommen. Dabei sind die Zielgruppen scharf positioniert:
Partygänger, Heavy Metal-Fans, Schlager-Fans, Biker. Außerdem soll es
ein Dating-Portal für die Gruppe 50+ geben. Zudem ist die
Geschäftsführung als einziges Portal Österreichs von der EU in eine
Task Force zum Thema “Jugendschutz im Internet” geladen - u.a. mit den
Machern von MySpace.
Autor: Thomas Königshofer, Bildrechte: Archiv
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